Was ist SAP — und was bedeutet das für eine Website?
SAP ist die ERP-Software der SAP SE aus Walldorf. Unternehmen führen darin ihre Geschäftsprozesse und vor allem ihre Stammdaten: Artikel, Preise, Kunden, Aufträge, Bestände. Neben dem seit Jahrzehnten verbreiteten klassischen ERP steht die neuere Produktlinie S/4HANA; für die Website ist die Unterscheidung selten entscheidend, für den Weg nach draußen dagegen schon. Denn für eine Website heißt SAP vor allem eines: Das ERP ist das führende System für die Daten, die auf der Seite erscheinen sollen. Gepflegt wird im ERP, angezeigt wird auf der Website — und dazwischen liegt eine Schnittstelle, keine zweite Pflegestelle.
Wie kommen Daten aus SAP auf die Website?
Über zwei Wege. Der erste sind OData-Services: SAP Gateway stellt Geschäftsdaten als REST-Schnittstelle über HTTPS bereit, in JSON oder XML, sodass ein externes System sie lesen kann, ohne SAP-Interna zu kennen. Der zweite ist eine Integrationsschicht beziehungsweise Middleware, die das ERP kapselt und nach außen eine eigene, schlankere Schnittstelle anbietet; SAP bündelt solche Bausteine unter der Integration Suite, es kann aber genauso eine bestehende Middleware des Unternehmens sein. Welcher Weg es wird, entscheidet in der Praxis nicht die Agentur, sondern die IT-Abteilung des Kunden: Sie gibt frei, was aus dem System heraus erreichbar sein darf.
Was ist OData im SAP-Umfeld?
OData ist ein offener Standard für den Zugriff auf Daten über das Web, ursprünglich von Microsoft entwickelt und heute bei der OASIS-Organisation angesiedelt. Er folgt REST-Prinzipien, läuft über HTTP beziehungsweise HTTPS und liefert Daten wahlweise als JSON oder als XML. Im SAP-Umfeld ist OData der Standardweg nach draußen: SAP Gateway ist die REST-Schnittstelle der ABAP-Plattform und stellt Geschäftsdaten als OData-Services bereit. Der Vorteil für uns ist, dass die aufrufende Seite kein SAP-Spezialwissen braucht — sie spricht mit einer dokumentierten Web-Schnittstelle wie mit jeder anderen auch.
Spricht die Website direkt mit dem SAP-System?
Nein, und das ist Absicht. Die Website spricht nie direkt mit dem ERP-Kern, sondern immer mit einer definierten Schnittstelle davor — einem freigegebenen OData-Service oder einer Integrationsschicht. Dahinter bleibt das ERP unberührt, davor kann sich die Website weiterentwickeln, ohne dass jemand am führenden System schraubt. Das trennt sauber, wer wofür verantwortlich ist: Die IT verantwortet, was die Schnittstelle herausgibt, wir verantworten, was die Website daraus macht. Und es hält den Zugriff klein, denn eine Schnittstelle lässt sich auf genau die Felder beschränken, die nach draußen dürfen.
Was passiert, wenn SAP gerade nicht erreichbar ist?
Nichts, was der Besucher merkt — wenn die Anbindung richtig gebaut ist. Ein ERP ist kein Frontend-Backend: Es ist nicht dafür gedacht, jeden Seitenaufruf zu beantworten, und es hat Wartungsfenster. Deshalb werden Produktdaten, Preise und Verfügbarkeiten im festen Takt in das CMS gespiegelt, und das Frontend liest aus dem eigenen Bestand. Fällt ein Abgleich aus, bleibt der letzte gute Stand stehen, der Lauf wird protokolliert und mit Abstand erneut versucht. Ein abgebrochener Import darf nie den Bestand leeren. Live abgefragt wird nur, was wirklich live sein muss — und selbst das mit Timeout und Rückfallebene, damit ein Wartungsfenster im ERP nicht die Website ausbremst.
Welche Daten aus SAP gehören auf die Website — und welche nicht?
Ein Artikel im ERP hat sehr viele Felder; eine Website braucht davon einen bewussten Ausschnitt. Nach draußen gehen die Felder, die ein Besucher sehen soll: Bezeichnung, Beschreibung, technische Merkmale, Zuordnung zu Kategorien, Dokumente, gegebenenfalls Preis und Verfügbarkeit. Im System bleibt alles, was intern ist — Einkaufskonditionen, Margen, Lieferantendaten, Kalkulationen, interne Bemerkungen. Deshalb steht bei uns das Feld-Mapping als Dokument, bevor gebaut wird: Es hält fest, welches ERP-Feld auf welches Website-Feld geht, was Pflicht ist, was optional bleibt und was das Haus gar nicht erst verlässt.
Was lässt sich mit SAP-Daten auf der Website bauen?
Vier Dinge kommen immer wieder vor. Ein Produktkatalog mit Filter und Suche, der auf den gespiegelten Artikeldaten arbeitet und damit ohne Wartezeit auf ein fremdes System auskommt. Datenblätter und Downloads, die aus denselben Feldern erzeugt werden, statt als PDF gepflegt zu werden. Ein Kundenzugang, in dem angemeldete Kunden ihre Aufträge, Lieferungen und Belege sehen — hier wird gezielt live abgefragt, weil ein Auftragsstatus von gestern wertlos wäre. Und eine Anfrage- oder Bestellstrecke, die den Warenkorb oder die Anfrage in Richtung ERP zurückgibt. Was davon sinnvoll ist, hängt am Geschäftsmodell, nicht an der Technik.
Lässt sich SAP in TYPO3, WordPress oder Statamic integrieren?
Ja, in allen drei Systemen — und wir bauen die Anbindung jeweils selbst, mit den Bordmitteln, die das CMS dafür mitbringt. In TYPO3 entsteht eine eigene Extension: Extbase als Unterbau, TCA als Datenmodell, der Import als Scheduler-Task, die Datensätze als Records, das Frontend über Fluid, die Zugangsdaten in der Extension-Konfiguration. Im Konzernumfeld ist TYPO3 damit oft gesetzt. In WordPress entsteht ein eigenes Plugin statt Theme-Code: ein Custom Post Type mit Meta-Feldern, ein geplanter Lauf für den Abgleich und eine eigene REST-Route für serverseitige Aufrufe. In Statamic liegt Laravel darunter: ein Artisan-Command im Scheduler, ein Blueprint als Datenmodell, die Datensätze als Entries in einer Collection, die Zugangsdaten in der .env. Die Mechanik bleibt in allen drei Fällen dieselbe — nur die Werkzeuge heißen anders.